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Gemeinde Inden

Ein Jahr nach der Flut

Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr erhielten die Feuerwehr- und Katastrophenschutz Einsatzmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen

Am 14. und 15. Juli 2022 jährt sich die Hochwasserkatastrophe von 2021 zum ersten Mal. Mehr als 180 Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen waren vom Hochwasser betroffen. Wenngleich andere Kreise im Land besonders schwer getroffen wurden, so bildet dieses Ereignis ebenfalls für uns einen tiefen Einschnitt in die Geschichte unserer Heimatgemeinde Inden. Dieses ohnmächtige Gefühl gegenüber den unbändigen Kräften der Natur und die vielen persönlichen Verluste – diese Bilder haben sich für immer in die Erinnerung eingebrannt.

Zum Jahrestag der Hochwasserkatastrophe gedenken wir insbesondere den 49 Menschen, die in Nordrhein-Westfalen ihr Leben verloren haben – mit den Opfern in Rheinland-Pfalz sind es insgesamt 180! Stellvertretend für alle sei hier das Schicksal des Mitarbeiters einer Partnerfirma der RWE Power AG erwähnt, der es nicht mehr schaffte, sich vor den in den Tagebau Inden einbrechenden Wasser- und Schlammmassen in Sicherheit zu bringen. Allen betroffenen Angehörigen und Bürger*innen gilt unser größtes Mitgefühl.

Zu den Erinnerungen gehören aber auch die große Solidarität und Hilfsbereitschaft, die bis heute anhalten und beeindrucken. Viele Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft, der näheren und weiteren Umgebung, Unternehmer und Landwirte sowie Vereine kamen zusammen haben geholfen.  Für die Fluthilfe Inden kam eine beträchtliche Spendensumme von 202.640 € für vom Hochwasser betroffene Härtefälle zusammen! Weitere 49.721 € gingen zweckgebunden zur Sanierung der Sporthalle Merödgen ein. Dieser Zusammenhalt in unserer Gemeinde macht stolz und berührt.

Für die Kamerad*innen der Freiwilligen Feuerwehr Inden war die Hochwasserkatastrophe sicherlich auch die einschneidenste Erfahrung und Herausforderung im Feuerwehrdienst.

Dieses Gefühl, welches sich einstellt, wenn man zunächst ohnmächtig den Wassermassen gegenübersteht, die Einsatzkräfte nicht ausreichen, Einsatzmittel nicht ausreichen oder nicht sofort zur Verfügung stehen und man nicht weiß, wo man anfangen soll wird wohl bei jeder Einsatzkraft unvergessen bleiben. Obwohl einige Helfer selber vom Hochwasser betroffen waren, hat dies nicht abgehalten zu helfen. Ich bin davon überzeugt, dass jeder bei diesem mehrtägigen Einsatz sein Bestes gegeben hat – jeder an seinem Ort und jeder in seiner Funktion!

Ja, ausnahmslos alle waren erschöpft – vor allem körperlich aber auch emotional als man immer mehr begriff, was eigentlich passiert war. Aber da war auch das Gefühl der inneren Genugtuung geholfen zu haben, das Gefühl maßgeblich und gemeinschaftlich über 100 Menschen förmlich das Leben gerettet zu haben oder zumindest vor gesundheitlichen Schäden bewahrt zu haben, das Gefühl vielen notleidenden Menschen geholfen zu haben und das Gefühl Teil dieser großen Solidargemeinschaft in unserer Heimatgemeinde Inden zu sein. Für diesen unermesslichen Einsatz in dieser Hochwasserlage können und dürfen unsere ehrenamtlichen Retter unheimlich stolz sein!

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich nach entsprechendem Vorschlag der hiesigen Wehrleitung und mir auch den Dank und die Anerkennung von höchster Stelle aussprechen durfte. Im Namen des Herrn Minister des Inneren des Landes Nordrhein-Westfalen, Herrn Herbert Reul, durfte ich auf der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Inden am 19.02.2022 allen Helferinnen und Helfern der Einsatzabteilung, die im Hochwassereinsatz beteiligt waren, die Feuerwehr- und Katastrophenschutz Einsatzmedaille des Landes verleihen. Die Unterstützungskräfte aus dem Kreis Düren und aus den weiter entfernten Kreisen Hochsauerlandkreis und Siegen-Wittgenstein wurden über ihre jeweiligen Heimatdienststellen bedacht.

Seit dem „Sprit zur Gefahrenabwehr“ (Müllbeseitigung, Wiederherstellung wichtiger Infrastrukturen sowie zur schnellen, möglichst unbürokratischen Auszahlung der Soforthilfen NRW und der Spendengelder aus der Fluthilfe Inden) befinden wir uns mit der Gemeindeverwaltung Inden auf der „Langstrecke des Wiederaufbaus“. Nach der Aufstellung eines Wiederaufbauplanes und der umfassenden Antragstellung auf Leistungen nach der Förderrichtlinie Nordrhein-Westfalen wurden Billigkeitsleistungen in Höhe von 2.625.000,00 € zur Finanzierung der erforderlichen Maßnahmen gewährt. Die größte Baustelle wird die Wiederherstellung der Sporthalle Merödgen (Kosten ca. 1,8 Mio. €) sein, die erforderlichen Leistungen können nun förderunschädlich geplant und ausgeschrieben werden.

Die Ereignisse vom Juli 2021 haben auch gezeigt, dass wir besser auf solche Großschadensereignisse vorbereitet sein müssen.

 

Das Krisenmanagement wird konzeptionell überarbeitet – sei es die eigene Aufstellung im sogenannten „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“, die Zusammenarbeit mit der Katastrophenschutzbehörde des Kreises Düren sowie das landesweite Warnwesen.

 

„Der Schutz unseres Klimas und die Bewahrung der Schöpfung sind die größten Aufgaben unserer Zeit. Sich an die schon bestehenden Folgen des Klimawandels anzupassen, gehört auch dazu. Die Hochwasserkatastrophe mahnt uns, beim Klimaschutz voranzukommen und erfolgreich zu sein bei der Verbindung von Klimaschutz und Industrieland. Es liegt an unserer Generation, die richtigen Weichen zu stellen.“

Ihr Bürgermeister

Stefan Pfennings

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